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Blog · Absicherung & Vorsorge

Altersvorsorgedepot: Was schon feststeht und warum du jetzt nicht vorschnell handeln solltest

31. August 2026 · 7 Min. Lesezeit · Alexander Weißbrich

Titelbild zum Beitrag Altersvorsorgedepot: Was schon feststeht und warum du jetzt nicht vorschnell handeln solltest

Fünf Punkte für Menschen mit 30 Sekunden Zeit

  1. Riester läuft aus. Ab dem 1. Januar 2027 gibt es keine neuen Riester-Verträge mehr, das Altersvorsorgedepot übernimmt. Das Gesetz ist beschlossen.
  2. Die Förderung ist einfach und stark. 50 Cent vom Staat für jeden Euro auf die ersten 30 Euro Monatsbeitrag, bis zu 540 Euro Grundzulage im Jahr, 300 Euro je Kind obendrauf, 200 Euro Bonus für alle unter 25.
  3. Selbständige und Versorgungswerke sind endlich dabei. Freiberufler, Gewerbetreibende, Ärzte, Anwälte, Architekten. Rund vier Millionen Menschen mehr, erstmals selbst förderberechtigt.
  4. Keine Garantie-Pflicht mehr. Dein Geld darf wirklich in Fonds und ETFs arbeiten.
  5. Du hast schon einen Riester-Vertrag? Bestandsschutz gilt, nichts drängt. Ein Wechsel ist eine Einbahnstraße und kann deine Förderung sogar senken. Erst rechnen, dann entscheiden.
Infografik, Förderung und Durchführungswege des Altersvorsorgedepots

Die Langfassung, für ein bis zwei Tassen Kaffee.

Warum du nicht vorschnell handeln solltest? Weil es schlicht noch keine Produkte gibt. Die üblichen Verdächtigen sammeln aber bereits Adressen, werben mit Prämien und lassen dich ohne sachliche Aufklärung am liebsten schon heute den verhängnisvollen Klick setzen und irgendetwas übertragen. Das hat mit Beratung nichts zu tun. Das ist das Ausnutzen eines Trends, und ich halte es für verantwortungslos.

Es ist keine Panik geboten. Du hast alle Zeit der Welt. Nutzen wir sie und sortieren das Thema. Was steht wirklich fest, was ist offen, und wo lohnt es sich, jetzt schon nachzudenken?

Was beschlossen ist

Das Gesetz ist durch. Der Bundestag hat die Reform im März 2026 beschlossen, der Bundesrat im Mai zugestimmt. Damit endet die Riester-Welt für Neuverträge. Wer noch einen abschließen will, kann das nur noch bis Dezember 2026, ab dem 1. Januar 2027 startet das Altersvorsorgedepot.

Dahinter stecken drei Produktwege, und sie unterscheiden sich mehr, als die Werbung später zugeben wird.

Das Standardprodukt ist bewusst einfach. Höchstens zwei Fonds, Effektivkosten von maximal 1,0 Prozent im Jahr, keine Garantie (sie ist dort nicht einmal zugelassen). Führen muss es jeder Anbieter, der auch andere Varianten anbieten möchte.

Die Depot-Lösung ist der freie Weg. Breite Auswahl aus ETFs und Fonds oder ein Sparplan in einer Vermögensverwaltung, ohne Kostenvorgabe, Garantien sind über die Fondsgesellschaft möglich.

Die Fondspolice ist der Weg über den Versicherer. Bekannte Tarife mit breiter Fondsauswahl, wahlweise ohne Garantie oder mit 80 oder 100 Prozent Beitragsgarantie, ohne Kostendeckel.

Die Beitragsgarantie ist damit keine Pflicht mehr. Wer sie will, wählt sie in Police oder Depot, wer sie nicht braucht, lässt sein Geld ohne Bremse arbeiten. Genau diese Bremse hat viele Riester-Verträge die Rendite gekostet. Die hundertprozentige Garantie zwang das Geld in mager verzinste Papiere oder teilerfolgreiche Garantiemodelle.

Ein Detail, das mir persönlich besonders gefällt. Abschlusskosten dürfen nicht mehr vorab aus den ersten Beiträgen genommen werden, sie werden über die gesamte Laufzeit verteilt. Keine Zillmerung, also kein Vertrag, der in den ersten Jahren nur für den Vermittler arbeitet.

Auch die Auszahlung ist geregelt. Frühestens ab 65, bis zu 30 Prozent auf einen Schlag, der Rest als Auszahlplan bis mindestens 85 oder als lebenslange Rente.

Die Förderung, einmal durchgerechnet

Die neue Logik ist erfreulich schlicht. Für jeden Euro, den du einzahlst, legt der Staat etwas drauf:

Ein Punkt macht das System zusätzlich besser als seinen Vorgänger. Die Zulagen kommen obendrauf und werden nicht wie bei Riester mit deinem Eigenbeitrag verrechnet. Zwei Kleinigkeiten am Rand. Für die Förderung musst du mindestens 120 Euro im Jahr einzahlen, das sind 10 Euro im Monat. Und wer vor seinem 25. Geburtstag abschließt, bekommt einmalig 200 Euro Berufseinsteigerbonus dazu.

Dann die Steuer, der zweite Motor dieses Produkts. Deine Beiträge bis 1.800 Euro im Jahr plus Zulagen setzt du als Sonderausgaben ab. Das Finanzamt rechnet in der Günstigerprüfung nach, ob dir die Zulage oder der Steuervorteil mehr bringt, und schreibt dir die Differenz gut. Bei höherem Einkommen ist dieser Steuervorteil oft größer als die Zulage selbst. Im Gegenzug wird die Rente später nachgelagert besteuert, also mit deinem Steuersatz im Ruhestand, und der ist häufig niedriger als heute.

Wer mehr zurücklegen möchte, kann bis 6.840 Euro im Jahr zusätzlich ungefördert einzahlen. Dieser Teil läuft wie ein Produkt der dritten Schicht. Erträge bleiben in der Ansparphase steuerfrei, ein Fondswechsel löst keine Abgeltungsteuer aus, und in der Rente wird der Ertragsanteil besteuert.

Dazu kommt die Frühstart-Rente, ein eigenes Thema, das oft mit der Kinderzulage verwechselt wird. Ab 2027 zahlt der Staat von sich aus 10 Euro im Monat in ein eigenes Depot für Kinder zwischen 6 und 18, allerdings nur für Jahrgänge ab 2020. Eltern und Großeltern dürfen zuzahlen.

Endlich sind auch Selbständige dabei

Bei Riester blieben Selbständige und Gewerbetreibende zwei Jahrzehnte lang außen vor, bestenfalls kamen sie mittelbar über den Ehepartner hinein. Der Gesetzgeber hat daraus gelernt. Im Altersvorsorgedepot sind Selbständige, Freiberufler und Gewerbetreibende erstmals eigenständig förderberechtigt, und mit ihnen die Mitglieder der berufsständischen Versorgungswerke, also Ärzte, Zahnärzte, Anwälte, Architekten. Rund vier Millionen Menschen, die bisher zuschauen mussten.

Der vollständige Kreis der direkt Förderberechtigten liest sich wie folgt. Pflichtversicherte in der gesetzlichen Rentenversicherung (Angestellte und Auszubildende), Mitglieder berufsständischer Versorgungswerke, Beamte, Richter und Soldaten, Land- und Forstwirte in der Alterskasse, Gewerbetreibende und Selbständige mit Einkünften aus Gewerbebetrieb oder selbständiger Arbeit.

Nicht direkt dabei sind Rentner und Pensionäre, Studenten, Nicht-Erwerbstätige und, das ist die Falle für viele meiner Kunden, sozialversicherungsfreie Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH. Ein Geschäftsführer bezieht Gehalt, keine Einkünfte aus Gewerbebetrieb oder selbständiger Arbeit, und genau daran hängt der Gesetzgeber die Förderung. Für diesen Kreis bleibt der mittelbare Weg. Ist dein Ehepartner oder eingetragener Partner direkt förderberechtigt und habt ihr beide einen eigenen Vertrag, bekommst auch du die Zulagen.

Damit lohnt sich staatlich geförderte Altersvorsorge zum ersten Mal auch für Selbständige, und zwar in einem konsequent investmentorientierten Produkt statt in einem Garantiekorsett. Wenn du selbständig bist und das Thema Förderung bisher zu Recht abgehakt hattest, dann bist du jetzt auch dabei. Lass uns sprechen.

Infografik, wer beim Altersvorsorgedepot gefördert wird

Du hast schon einen Riester-Vertrag?
Lies diesen Teil zweimal.

Zuerst die gute Nachricht. Für deinen bestehenden Vertrag gilt gesetzlicher Bestandsschutz. Niemand kündigt dir etwas, niemand wandelt etwas um, dein Erspartes bleibt, wo es ist. Es gibt keinen Stichtag, der dich hetzt.

Dann die drei Wege, die dir offenstehen. Du kannst die Förderung umstellen (dein Vertrag bleibt mit allen Garantien und Konditionen bestehen, bekommt aber die neuen, häufig höheren Zulagen). Du kannst dein Kapital in ein Altersvorsorgedepot übertragen (ein neuer Vertrag, mit neuen Chancen, aber ohne deine alten Garantien, und die Übertragung kann viele Monate dauern). Oder du lässt den Riester-Vertrag ruhen und besparst ab 2027 zusätzlich das neue Depot.

Der Umstieg ist eine Einbahnstraße. Einmal gewechselt, gibt es kein Zurück in die Riester-Förderung. In manchen Konstellationen sinkt die Förderung durch den Wechsel sogar. Nimm ein Elternteil, das heute mit dem Sockelbetrag von 60 Euro im Jahr Grund- und Kinderzulagen bekommt. Im neuen System braucht es dafür 300 Euro Eigenbeitrag im Jahr. Wer da einfach wechselt, ohne den Beitrag anzupassen, bekommt hinterher weniger vom Staat als vorher.

Genau deshalb macht mir die Prämien-Werbung Sorgen. Der Klick beim Online-Anbieter ist schnell gemacht. Ob er zu deinem Vertrag, deinen Garantien und deiner Familiensituation passt, steht auf einem anderen Blatt, und rückgängig machen lässt er sich nicht.

Was ehrlicherweise noch niemand sagen kann

Die konkreten Produkte kommen voraussichtlich erst diesen Herbst. Niemand kennt heute die Kosten. Niemand kennt die Konditionen der Auszahlprodukte. Niemand kann seriös vergleichen, auch ich nicht. Wer dir jetzt schon „das beste Altersvorsorgedepot“ verkaufen will, verkauft dir etwas, das er nicht kennen kann.

Mein Rat ist deshalb kein Entweder-oder. Kein Aktionismus, aber auch kein Wegducken. Die Förderlogik steht, deine Zahlen kennst du, und ob sich für dich das Warten, das Umstellen oder das Übertragen lohnt, lässt sich heute schon sauber durchrechnen.

Du willst deinen Riester-Vertrag dafür auf den Tisch legen oder wissen, ob das Depot in dein System passt? Dann buch dir einen Termin, bevor du irgendwo klickst.

Hinweis. Dieser Beitrag ist meine persönliche Einschätzung mit Stand vom 31. August 2026, recherchiert und belegt mit Quellen, die ich als seriös ansehe. Er ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Beratung, die deine persönliche Situation berücksichtigt. Gesetze, Produkte und auch meine Meinung können sich ändern.

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